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Warum nach der Omikron-Welle ein Comeback von Delta möglich ist

In der aktuellen Omikron-Welle spielt Delta kaum noch eine Rolle. Die Vorgängervariante hat sich rar gemacht. Aber ist sie auch verschwunden? Experten glauben das nicht. Ein Comeback könnte das Ziel Endemie in die Ferne rücken lassen.

Omikron, so die Hoffnung, beendet die Pandemie. Aber ist das wirklich so? Viele Experten und Expertinnen sind sich da alles andere als sicher. Zumal nach der Omikron-Welle eine “alte Bekannte” ein Comeback feiern könnte: Delta. Mit Aufkommen von Omikron wurde der Abgesang auf die zuvor dominierende Variante zwar bereits angestimmt, aber möglicherweise war das übereilt. Delta könnte in nicht allzu großer Ferne ein Comeback feiern – und den Übergang in die Endemie noch einmal verzögern.

Omikron verbreitet sich rasend schnell, gilt aber als weniger gefährlich als die Vorgängervariante Delta. Mit Omikron, so eine these, ließe sich eventuell die Durchseuchung riskieren. Oder? “Sagen wir, wenn wir wählen müssten, würde sich Omikron besser für eine solche Durchseuchung eignen als zum Beispiel Delta”, so Richard Neher, führender Experte für Virusvarianten, in einem Interview, das die Universität li ingenender che veröffe Basel. Ein kleines Wörtchen spielt bei dieser Einschätzung eine große Rolle: besser. Denn gefahrlos ist die Infektion nicht. Nicht alle Infektionen verliefen mild, eventuelle Langzeitfolgen seien noch unbekannt. Obendrauf kommt, dass es so aussehe, “als würde eine Infektion mit Omikron nicht gut vor Infektion durch Delta oder andere Varianten schützen – zumindest dann, wenn vor der Infektion noch keine Immunität Delta and ge”.

Omikron-Infektion ersetzt Impfung nicht

Schon vor Wochen drückte eine – zugegeben sehr kleine – Studie aus Sudafrika die Stimmung derer, die auf einen natürlichen Immunschutz nach einer Omikron-Infektion spekulierten. Ein Forscherteam um Alex Sigal hatte geprüft, wie gut die Immunität nach einer Omikron-Infektion wirklich ist. Die Ergebnisse sorgten zumindest bei Ungeimpften für Ernüchterung. Denn während bei Geimpften der Antikörperspiegel nach der Omikron-Durchbruchsinfektion anstieg, sich die Immunantwort – auch gegen die Delta-Variante – verbesserte, war das bei Ungeimpften nicht der Fall. Ihr Immunschutz gegen Delta war laut Studie deutlich weniger stark.

Wasser auf den Mühlen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Eine Omikron-Infektion ersetze die Impfung nicht, kommentierte er sodann. “Der Ungeimpfte, der jetzt Omicron Infektion bekommt, wird im Herbst gegen andere Varianten wenig Schutz haben”, schrieb er. Das sei der Preis dafür, dass es sich um eine Escape-Variante handele. Anbei der etwas kryptische Satz: “Gegen serotypisch entfernte Fitness Varianten wenig Schutz”. Omikron weist sehr viele Mutationen auf. Das ermöglicht es ihr, den Immunschutz zum Teil umgehen zu können. Mehrere Experten, darunter Virologe Christian Drosten, gehen inzwischen davon aus, dass es sich bei Omikron gar um einen neuen Serotyp handeln könnte.

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Comeback von Delta moglich

“Die Omikronwelle schützt uns also nicht unbedingt vor weiteren Wellen in der Zukunft”, meint Neher. Abgesehen davon, dass neue Varianten auftauchen könnten, hält er es wie eine Reihe andere Expert:innen für möglich, dass Delta nach Abflauen der Welle zurückkommt. “Delta ist eine hochansteckende Variante die nach einiger Zeit, wenn die Immunität abgenommen hat, gegenüber Omikron wieder einen Vorteil haben könnte”, erklärt er. Anders ausgedrückt: nur weil Delta derzeit nicht vorherrschend ist, heißt das nicht, dass die Variante es nicht wieder werden könnte. “Wir können nicht sicher sein, dass Omikron Delta ablöst”, bestätigte nun auch Ulrike Protzer, Leiterin des Instituts für Virologie an der TU München, gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die Immunität nach einer Omikron-Infektion sei ein “bisschen anders” als nach einer Delta-Infektion. “Aber wenn man geimpft ist und dann vielleicht zusätzlich eine Infektion hatte, cann das Immunsystem mit neuen Varianten, die jetzt kommen könnten, gut umgehen”, sagte Protzer. Bei Risikogruppen sollte jedoch erwogen werden, ob im Herbst eine vierte Impfdosis nötig sei. Die Daten aus Israel, wo gerade die Impfkampagne zur vierten Dosis läuft, könnten bei der Bewertung helfen.

Weiter warten auf die Endemie

“Ich teile die Euphorie nicht, dass Omikron uns jetzt in die Endemie führt”, sagte Gerard Krause, Epidemiologe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig dem gleichen Blatt. Durch abnehmenden Impfschutz und Infektionen mit der einen oder anderen Variante hätten viele Menschen zwar eine “Teilimmunität”, aber die helfe nicht gegen jede Variante gleich gut. Die Frage, wann die Pandemie vorbei ist, sei vor allem eine Frage nach dem Umgang mit dem Erreger, sagte Krause. “Wie viele Erkrankungen sind wir bereit zu akzeptieren, wie viele können wir verhindern und um welchen Preis” – uber diese Fragen müsse es eine gesellschaftliche Verständigung geben. Das sei keine rein medizinische Frage, sondern eine breit angelegte Abwägung.


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Während sich eine Pandemie uber Länder und Kontinente hinweg ausbreitet, werden Krankheiten oder Erreger als endemisch bezeichnet, die dauerhaft und gehäuft in einer begrenzten Region oder in Teilken der Bevömung. Im Fall von Sars-Cov-2 bedeutet der Eintritt in eine Endemie, dass das Virus bleibt – die Menschen müssen damit leben, es wird aber für die Gesamtbevölkerung weniger gefährlich. Derzeit befindet sich Deutschland allerdings noch mitten in der Welle. Am Dienstag meldete das Robert Koch-Institut mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1206,6 erneut einen Höchstwert. Wann der Höhepunkt der Welle erreicht sein wird, ist schwer zu kalkulieren. Derzeit gehen Fachleute davon aus, dass es Mitte Februar soweit sein sollte und die Infektionszahlen danach erst einmal wieder langsam sinken.

Und dann? “Im nächsten Winter rechne ich noch einmal mit einer starken Inzidenzerhöhung”, sagte Drosten dem “Tagesspiegel”. Sein Appell weiterhin: Die Impflücke muss geschlossen werden. Denn es werde nicht möglich sein, dafür gebe es wissenschaftliche Evidenz, einen Übertragungsschutz der Gefährdeten uber die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. “Das beantwortet auch die Frage, ob alle, die noch nicht infiziert oder geimpft wurden, irgendwann dieses Virus kriegen werden. Ja, werden sie. Und sie haben dann das Ursprungsitsiko eines schverlaufs.”

Quelle: Südafrika-Studie, Universität Basel, Preprint, Tagesspiegel

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