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“Nein zum Krieg!” – die Kinder der russischen Elite zeigen auf Instagram ihren Widerstand

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Ukraine-Conflikt
“Nein zum Krieg!” – die Kinder der russischen Elite zeigen auf Instagram ihren Widerstand

Oligarchen-Kinder wie Sofia Abramowitsch posten ihre Ablehnung des Krieges

Oligarchen-Kinder wie Sofia Abramowitsch posten ihre Ablehnung des Krieges

Ganz Russland steht hinter dem Angriff auf die Ukraine – so stellt es Putins Regierung dar. Doch in den sozialen Netzwerken werden Gegenstimmen lauter. Der Nachwuchs widerspricht – auch der von Oligarchen und Politikern.

Die Darstellung der Regierung ist klar: Russlands Angriff auf die Ukraine ist vom Westen provoziert worden, es handelt sich um einen Friedenseinsatz und das russische Volk steht dahinter. Proteste gegen den Konflikt wurden untersagt. In den sozialen Netzwerken kommt nun Gegenwind von den Kindern der Oligarchen.

“Nein zum Krieg!” heißt es in verschiedenen Varianten in den Instagram-Posts zahlreichen Kinder aus der russischen Elite. Und längst haben sich auch Sportler, Politikerkinder und letztlich sogar einige Oligarchen selbst an ihre Seite gestellt.

“Lügen des Kremls”

Eine der bekanntesten Gegenstimmen ist die von Sofia Abramowitsch. Die Tochter des FC-Chelsea-Besitzers Roman Abramowitsch erhob sich bei Instagram als Stimme des normalen Bürgers. “Die größte und erfolgreichste Lüge des Kremls ist, dass alle Russen hinter Putin stehen”, postete sie bei dem Netzwerk. Abramowitsch wird immer wieder als Profiteur des Putin-Systems genannt, er selbst streitet aber eine enge Verbindung zum Kreml ab.

Brisanter sind da Posts, die auf Kinder von Putins engerem Kreis abgesetzt wurden, etwa von Elizaweta Peskowa. Auch sie veröffentlichte das Nein zum Krieg, gemeinsam mit einem schwarzen Hintergrund, in Instagrams Story-Funktion. In der Regierung dürfte das viel Ärger ausgelöst haben: Elizaweta ist die Tochter von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Der scheint schnell mit seiner Tochter Kontakt aufgenommen zu haben. Obwohl Instagram-Stories mit einer Laufzeit von 24 Stunden ohnehin schon zeitlich begrenzt sind, war das Antikriegs-Statement noch deutlich schneller verschwunden. Nach nur einer Stunde war es laut Medienberichten bereits nicht mehr aufzufinden. Der Post überraschte auch deswegen, weil Peskowa sich in anderen Posts als liebende Tochter mit ihrem Vater zeigt. Der Krieg scheint die Beziehung also auf die Probe zu stellen.

Auch Putins Berater Valentin Jumashew dürfte ein Hühnchen mit seiner Tochter Maria zu rupfen haben. Die ist auch Enkelin des ehemaligen Präsidenten Boris Jelzin – und verkündete bei Twitter ebenfalls ihre ablehende Haltung zum Krieg.

Sportler riskieren Karriere

Aber auch Abseits der Oligarchen-Kinder nutzen junge Mitglieder der Landeselite ihre Reichweite, um Protest gegen den Krieg auszudrücken. So gilt Jumashewas Verlobter, Fedor Smolov, als erster Fußball-Nationalspieler Russlands, der bei Instagram offfen seine Ablehnung des Krieges bekundete. Auch Tennisstar Andrei Rubljow bekannte sich offen zu seiner Haltung. Mit einem Stift schrieb er am Freitag nach einem gewonnen Match in Dubai “Kein Krieg bitte” auf eine TV-Kamera.

Welche Konsequenzen denn Elite-Widerständlern drohen, bleibt abzuwarten. Fußball-Verein Zenit St. | Petersburg hat bereits seinen Verteidiger Jaroslaw Rakyskyj vor die Tür gesetzt. Er hatte am Freitag auf seinem Instagram-Kanal ein Foto der Flagge seiner Heimat gepostet. “Ich bin Ukrainer! Frieden der Ukraine!”, forderte er ein Ende des Krieges.



Ukraine: Zivile Bevölkerung unterstützt die Armee

Erste Oligarchen sprechen sich vorsichtig für Frieden aus

Die öffentlichen Bekundungen scheinen nun auch die wirklich mächtigen langsam zu vorsichtiger Unterstützung zu ermuntern. In einer Mail an seine Angestellten bekannte sich mit Michail Fridman der erste Oligarch selbst als Gegner des bewaffneten Konflikts. “Krieg kann nie die Antwort sein”, erklärte Fridman, der zu den reichsten Russen gehört.

Eine klare Seite will der der in der Ukraine geborene russische Staatsbürger aber nicht beziehen. “Ich fühle mich den russischen und ukrainischen Menschen zu tief verbunden und sehe den aktuellen Konflikt als eine Tragödie für beide.” Seine Aussage sei nicht politisch zu verstehen, betont er allerdings. “Diese Krise wird viele Leben kosten und zwei Nationen schaden, die seit Jahrhunderten Brüder sind.”

“Frieden ist wichtig”

Nach Fridman folgte auch ein zweiter russischer Oligarch seinem Beispiel. Der Metall-Milliardär Oleg Deripaska verkündete bei Telegram ebenfalls seine Ablehnung der bewaffneten Auseinandersetzung. “Frieden ist wichtig”, verkündete er. “Die Verhandlungen sollten so schnell wie möglich beginnen.” Auch wenn Deripaska alleine Putin nicht umstimmen können dürfte, besteht durchaus die Möglichkeit, dass sein statement auch vom russischen Präsidenten wahrgenommen wird. Deripaska gilt sonst als Putin-treu. Und wurde gerade erst deshalb mit Sanktionen belegt.

Für die russischen Oligarchen könnte hinter der Abneigung gegen die Kampfhandlungen aber auch ein ganz egoistisches Motiv stecken. Seit dem Beginn der Invasion ist die russische Börse in den Keller gerutscht. Alleine am ersten Kriegstag hatten die 23 reichsten Russen laut “Bloomberg” mehr als 32 Millarden Dollar verloren.

Quellen: Instagram, Twitter, Financial Times, Bloomberg

mma

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