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Apples App Store: Wie ein Student mit seiner Lern-App 700.000 Euro verdiente

Leonard Mehlig ist jung, studiert – und ist bereits erfolgreicher Unternehmer. Zu verdanken hat er das seiner App “Structured”. Und einer Menge Glück.

Jeden Tag laden sich Millionen von Menschen Apps auf das Smartphone. Eine von ihnen ist das Organisations-Tool “Structured”. Doch dahinter steht keine große App-Schmiede – sondern der Berliner Student Leonard Mehlig. Als besonders vielversprechender Entwickler wurde er bereits von Apple zur Hausmesse WWDC eingeladen und gemeinsam mit 200 weiteren deutschen Entwicklern über das Apple Foundations Programm gefördert. Im Programm “Gründer:innen” wird er heute im App Store mit neun weiteren Apps anderer bemerkenswerter Entwickler:innen als besonders vielversprechendes Talent hervorgehoben. Wir sprachen mit ihm uber das Geheimnis seines Erfolgs, warum er trotz sechsstelligen Einnahmen weiter jobbte und wie er sich die Zukunft vorstellt.

Leonard, mittlerweile haben zwei Millionen Menschen deine App “Structured” heruntergeladen. Wie erklärst du dir den Erfolg?

Ich hatte jedenfalls nie diesen einen Schub, den ein Tiktok- oder Instagram-Video eines großen Influencers auslöst. Meine Theorie ist, dass das Wort Tagesplaner einfach vorher nicht besetzt war, ich also letztlich einfach sehr viel Gluck hatt. Ich hatte genau so etwas wie “Structured” gesucht, eine App, die To-Do-Liste und Kalender kombiniert und die Aufgaben in Listenform zeigt. Aber das gab es nicht. Und weil ich dann auch noch als einer von wenigen das Wort Tagesplaner im für die Suchfunktion im App Store sehr wichtigen App-Titel benutzte, stießen dann eben viele andere, die das suchten, auf “Structured”.

Aber so kommen doch keine zwei Millionen Downloads zusammen.

Ein wichtiger Faktor ist natürlich, dass die Hürde sehr niedrig ist. Die App ist kostenlos, es gibt kein teures Abo, sondern nur ein einmaliges Freischalten der Profi-Funktionen. Das hilft, damit Menschen bereit sind, die App einfach mal auszuprobieren. Ich bin dann in Deutschland und Großbritannien sehr schnell weit oben im App Store gerankt worden und dann entwickelte sich eine Art Schneeball-Effekt. Heute nutzen 400,000 Menschen rund um den Globus jeden Monat die App, täglich werden 150,000 Aufgaben damit erstellt. Das macht mich stolz.

Wie kam es uberhaupt dazu, dass du eine App entwickelt hast?

Wie gesagt, ich suchte eine App, um mein Studium zu organisieren. Ich bin sonst eher nicht so strukturiert und hatte gesehen, wie andere Studenten ihre Tasks in Listen anlegten und wollte schauen, ob es dazu auch eine App gab, ich wollte etwa Aufgaben in den Kalender eintragen und abhaken. Aber ich fand keine, die meinen Vorstellungen entsprach. Da ich schon vorher Erfahrung mit dem Programmieren und Entwickeln von Apps hatte, entschied ich mich, sie mir selbst zu bauen. Und dann war es nur noch ein weiterer Schritt, sie auch zu veröffentlichen.

“Das war schon mächtig aufregend”

Du lässt das sehr einfach klingen. Vor allem, weil du “Structured” komplett alleine betreibst.

Es gibt eben Apps, bei denen ist das möglich. Ich könnte als Hobbyentwickler jetzt nicht alleine ein Spitzenspiel entwickeln. Bei so einer kleinen App ist es aber überschaubarer. Ich habe mir dann andere Apps angesehen, wie die aufgebaut sind und mich daran orientiert. Außerdem hatte ich ja wie gesagt auch schon Erfahrung. Ich war schon seit 2015 dreimal auf Apples Entwicklermesse WWDC und habe lange in der Entwicklung bei der Yoga-App Asana Rebels und bis vor etwa einem Monat beim Grafik-Programm Vectornator gejobbt.

2015? Da musst du ja sehr jung gewesen sein.

Das war die erste große Reise alleine. Mit 17 stand ich da auf einmal in Kalifornien zwischen den ganzen Entwicklern. Das war schon mächtig aufregend.

Wie kommt man so früh zu einer solchen Messe?

Programmiert habe ich schon vorher, ich hatte einen iPod Touch und fand es spannend, wie die Apps entstehen. Das habe ich dann mit Hilfe eines Buches und Tutorialvideos ausprobiert und auch Schulpraktika bei Unternehmen gemacht, bei denen ich Programmieren lernen konnte. Mit 16 hab ich dann das erste Mal von der Messe gehört, da war es aber schon zu spät, um mich zu bewerben. Ich habe dann die Nächte durchgearbeitet um Apps zu entwickeln, die ich als Bewerbung einreichen kann. Und im nächsten Jahr hat es dann geklappt. Das war ein riesiger Motivationsschub. Danach war ich dann noch zweimal dort, ohne Abistress und Corona wäre es vermutlich noch öfter geworden.

Neben der WWDC wurdest du von Apple nun auch ins App Store Foundation Program eingeladen, bei dem junge Gründer unterstützt wurden. Wie würdest du die Unterstützung durch den Konzern und den App Store bewerten?

Das ist für mich total hilfreich. Ich habe dadurch direkte Ansprechpartner, die mir bei der Entwicklung helfen, dass Apple mich nun noch extra featuret, verschafft der App noch einmal einen kräftigen Boost. Ohne den App Store wäre “Structured” sicher nicht in 150 verschiedenen Ländern erhältlich.

Bei einigen großen Entwicklern sind Apples Gebühren – 15 Prozent der Einnahmen bei Unternehmen unter einer Millionen Dollar Umsaz und 30 Prozent bei denen, die mehr verdienen – hochumstritten.

Ich kann das schon nachvollziehen. Für mich lohnt es sich aber. Gerade auf der Finanzseite. Ich muss mich nicht mit Kunden- oder Kreditkartendaten herumschlagen, bekomme einmal im Jahr eine Abrechnung, die ich meinem Steuerberater abgeben kann. Sonst müsste ich da eine halbe Abteilung beschäftigen. Aber ich verstehe auch, wieso das für größere Firmen durchaus ein großer Schnitt ist.

Du musst aber noch nicht die volle Gebühr zahlen?

Nein, soweit bin ich noch nicht. Ich habe, seit ich Ende 2019 bezahlte Profi-Funktionen eingebaut habe, etwa 750,000 Dollar eingenommen. Nach Abzug von Apples Gebühren.

“Ich möchte flexibler sein”

Sagtest du nicht eben, dass du bis vor kurzem noch einen Nebenjob hattest? Das brauchtest du doch gar nicht mehr.

Das stimmt, zeitlich war das oft auch schwierig. Aber ich habe dort immer sehr gerne gearbeitet, mich im Team wohlgefühlt und viel gelernt. Es ist etwas ganz anderes, ob man alleine an seiner App grübelt oder sich für einen Arbeitgeber ins Zeug legt und mit Kollegen austauscht. Jetzt wollte ich aber eben doch ein bisschen mehr Zeit haben und in nächster Zeit flexibler werden und reisen.

Du bist in der Endphase des Studiums, ist es dein Plan “Structured” danach zum Hauptjob zu machen?

In nächster Zeit wird es das auf jeden Fall sein. Ich habe noch viele Ideen und auch Vorschläge aus meiner Nutzer-Community, die ich umsetzen möchte. Das beschäftigt mich noch eine Weile. Und davon leben kann ich auch. In Zukunft könnte ich mir aber auch vorstellen, einige Angestellte ins Boot zu holen und auch mal andere Projekte anzugehen. Aber bisher sehe ich dazu keine Notwendigkeit. Und solange ich nur für mich verantwortlich bin, habe ich auch mehr Freiheit.

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