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J. Peirano: Ich bin ständig angespannt und kann meine Kinder nicht genießen

Eigentlich würde Henning gerne die Zeit mit seiner Familie genießen. Doch der stetig rotierende Kopf sorgt für eine ständige Anspannung. Wie kann er zu mehr Ruhe finden?

Liebe Frau Peirano,

ich, 34, bin verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern (4 und 1). Ich habe mir die Kinder gewünscht und sollte eigentlich auch glücklich sein, zwei gesunde Kinder zu haben und in einer guten Beziehung zu leben. Aber ich fühle mich oft gestresst und überfordert. Ich kann die Momente mit meinen Kindern oft nicht genießen, sondern bin mit meinem Kopf abwesend und grüble uber die Arbeit nach. Oder ich ärgere mich über Kleinigkeiten im Haushalt und streite mich deswegen mit meiner Frau, obwohl ich eigentlich weiß, dass es unnötig ist.

Sie wirft mir vor, dass ich sehr angespannt bin und wenig Zugang zu meinen Gefühlen habe. Ich könne nicht genießen oder mal im Moment leben. Sie ist sehr unzufrieden damit, denn sie geht ganz in der Mutterrolle auf und möchte das auch zusammen mit mir genießen.

Ich empfinde mich als Störenfried und leide darunter. Ich habe aber auch keine Ahnung, wie ich genießen lernen kann oder mein Gedankenkarussell im Kopf mal abschalten kann. Bei meinen Eltern war das Leben auch ständig angespannt und durchgetaktet und ich habe einfach nicht gelernt, zu genießen oder im Augenblick zu sein.

Was raten Sie mir?

Viele Gruße

Henning T.

Lieber Henning T.,

es ist gut, dass Sie das Problem schon einmal für sich erkannt haben.

In unserer hektischen, leistungsorientierten Gesellschaft mit den Ansprüchen an ständige Verfügbarkeit und den ständig auf uns einprasselnden Nachrichten (meistens bedrohliche) ist es extrem schwer, einen guten Kontakt zu sich zu behalten und zur Ruhe zu kommen!

Tausende von Menschen reagieren auf die permanente Reizüberflutung mit nervlichen und körperlichen Belastungen: mit Schlafstörungen, Muskelverspannungen, Schmerzen, Magenbeschwerden und oft auch mit Überempfindlichkeit gegen. Eigentlich sind diese Signale des Körpers Warnsignale, die unser System schützen sollen. So wie wir Schmerzen empfinden, wenn wir die Hand auf die Herdplatte halten und die Schmerzen uns sagen, “zieh die Hand weg, sonst verbrennt dein Gewebe”, so sind die Stresssymptome Warnzeichen unserer Seele, um uns vor stärkeren e Schinem-B ( Out oder körperlichen Folgeschäden wie zB einem Tinnitus zu bewahren).

Doch viele Menschen sind von ihren eijenen Gefühlen abgeschottet und können nicht mehr verstehen, was für Botschaften ihr Körper an sie sendet, um sie zu schützen. Statt dankbar zu sein, ärgern sie sich darüber, dass sie nicht mehr so ​​funktionieren können, wie sie eigentlich wollen, und versuchen, weiter zu machen wie zuvor. Sie würden vielleicht gerne mehr Ruhe haben, aber sie wissen nicht, wie sie inne halten oder sogar umkehren können.

Viele Menschen, deren Zeitplan sehr eng getaktet ist (wie Ihrer) und die den Eindruck haben, eher zu funktionieren als zu leben, verlieren darüber den Zugang zu ihrem ganzheitlichen, intuitiven Denken. Der Großteil unseres Denkens, nämlich 95-98 Prozent, läuft unbewusst ab. Nur zwei Prozent unserer Denkprozesse sind linear und logisch!

Um einen weiteren gedanklichen Horizont und Zugang zu unserem unbewussten und intuitiven Denken zu bekommen (oder eher gesagt: wieder zu erlangen, denn jedes Kind und jedes Tier wird damit geboren), lohnt.

Das ist doch eine gute Botschaft! Denn wer es – wie Sie – gewohnt ist, mit Aufgabenlisten und systematischen Schritten umzugehen, cann auch die gleiche Systematik und Disziplin nutzen, um wieder zu innerer Ruhe und Intuition gel zuangen. Ganz praktisch und handfest. Damit deutlicher wird, was ich mit Intuition und ganzheitlichem Denken meine, empfehle ich Ihnen, den Dokumentarfilm “InnSae, die Kraft der Intuition”, anzuschauen. Sie erfahren dort, was Intuition überhaupt ist und welche unglaublichen geistigen Leistungen sie erst ermöglicht.

Darüber hinaus geht es dann an das praktische Üben. Hier empfehle ich Ihnen, einen MBSR-Kurs zu besuchen. MBSR steht für Mindfulness Based Stress Reduction, auf deutsch achtsamkeitsbasierte Strressreduktion.

Die Kurse in Ihrer Gegend können Sie zB auf dem MBSR Dachverband einsehen. Es sind immer acht Abende und ein ganzer Übungstag, in dem Techniken wie Bodyscan, Meditation, Gehmeditation, Atemmeditation und Genusstraining vermittelt werden. Vieles findet in der Stille statt – das ist am Anfang vielleicht fremd, zu schweigen, aber nach einer Weile sehr wohltuend. Im Grunde genommen wurden viele dieser Techniken aus den fernöstlichen spirituellen Schulen wie zB dem Buddhismus übernommen und von jeglicher religiösen oder weltanschaulichen Komponente befreit.

Diese Kurse haben einen sehr großen Nutzen: Sie lernen, sich zu entspannen, einen besseren Kontakt zu sich zu bekommen und mit regelmäßiger Übung auch zu behalten, zu genießen, öfter ürich im zu ver.

Ich kann mir vorstellen, dass dieser Zugang für Sie eine hervorragende Basis ist, um wieder näher an Ihre Sinneserfahrung (hören, schmecken, sehen, tasten) zu kommen und dadurch auch mehr im Uhdie undja und Ruegen und Kinder Ebene die Welt erfahren) zu bekommen.

Abgesehen davon ist es für die Entwicklung von mehr Achtsamkeit sehr wichtig, viel Zeit in Stille und in der Natur zu verbringen. Also eher kein Sonntagsspaziergang, bei dem die Probleme der letzten Woche besprochen werden, sondern zB eine Paddeltour auf einem abgelegenen Kanal, eine Übernachtung im Zelt, Wanderungen im Wald oder im Gebirge.

Und natürlich ist es ganz wichtig, auch mal nicht erreichbar zu sein. Also den Computer und das Handy auszuschalten, keine Medien zu konsumieren, sondern sich Zeit zu nehmen für den Moment. Ich würde fast sagen: je öfter, desto besser.

Ich hoffe, dass diese Anregungen Ihnen genug Technik an die Hand geben, um wieder zu sich zu kommen und damit bewusster und zufriedener zu leben. Am besten wäre es, wenn Ihre Frau den Kurs mit Ihnen zusammen besucht, denn dann können Sie sich gegenseitig motivieren und mit Phantasie auch neue Achtsamkeitstechniken für Ihre Familie erfinden.

Herzliche Gruße

Julia Peirano

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