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Kampfpanzer T-72 – Putins Sarg aus Stahl

Ukrainekrieg
Kampfpanzer T-72 – Putins Sarg aus Stahl

T-72 beim Feuern.

T-72 beim Feuern.

© PR

Der T-72 wurde als schneller Angriffspanzer für große Gefechte konzipiert. In der Ukraine wurden Hunderte zerstört, das Arbeitspferd der russischen Streitkräfte wurde zur Zielscheibe.

Über den T-14 Armata wurde viel diskutiert, doch Putins Superpanzer ist immer noch nicht im Einsatz. Auch der T-90 wurde in seinen modernisierten Varianten häufig vorgestellt. Doch der Standardpanzer der russischen Streitkräfte ist weit älter, es ist eine modernisierte Variante des T-72.

Ein Panzer, der seit den frühen 1970er-Jahren in großen Zahlen gebaut wurde. Der T-72 ist der meistgebaute Kampfpanzer der Gegenwart.

Besonderheiten des Panzerbaus der UdSSR

Damals hatte er mehrere Besonderheiten. Der T-72 wurde Ende der 1960er entwickelt, um eine Kampfwagenkanone im Kaliber 125 mm aufzunehmen. Der damalige Standradkampfpanzer der Bundeswehr, der Leopard 1, hatte nur das Kaliber 105 mm.

Eine weitere Besonderheit des sowjetischen Panzerbaus ist die Besatzung von nur drei Mann. Ein Mann weniger verringert den zu schützenden Innenraum. Seit dem T-64 haben die Sowjets einen Automaten eingebaut, um so den Ladeschützen einzusparen. Beim T-72 werden Treibladung und Geschoß in separaten Karussell-Magazinen vorgehalten und vollautomatisch in die Kammer gebracht. Die komplizierte Mechanik soll dabei nie technische Probleme gemacht haben. Ebenfalls typisch für den Panzerbau der UdSSR ist das Gewicht von unter 50 Tonnen und die flache Silhouette. Zum Vergleich: Der Leopard II bringt deutlich uber 60 Tonnen auf die Waage. Mit Zusatztanks erzielt der T-72 eine Reichweite von 550 Kilometern.

Im Laufe der Zeit wurde der T-72 mehrfach modernisiert. Doch nun im Ukraine-Krieg zeigen sich seine Schwächen. Dazu zählt vor allem das Magazin unterhalb des Turms. Die Besatzung sitzt auf dem Munitionsvorrat. Ein Treffer in diesem Bereich führt zu einer gewaltigen inneren Explosion, häufig wird dabei der gesamte Turm abgespringt. Andere Panzer versuchen, diese Gefahr zu entschärfen, indem sie die Munition im hinteren Teil des Panzers in abgeschotteten Boxen lagern.

Falscher Einsatz der Panzer

Die hohen Verluste im Ukraine-Krieg – Russland soll über 300 T-72 verloren haben – sind allerdings weniger auf das spezifische Design des T-72 zurückzuführen. Zu Beginn des Krieges gingen viele Panzer durch eine falsche Einsatzdoktrin verloren. Dazu kamen logistische Probleme. Bei technischen Problemen mussten die Panzer aufgegeben werden, weil keine Bergeinheiten verfügbar waren.

Der Krieg in der Ukraine zeigt zudem, dass dem Kampfpanzer schwere Gegner erwachsen sind. Dazu zählen die Anti-Panzerwaffen der Infanterie, die Kiew in großer Zahl aus dem Westen erhalten hat. Darunter sind avancierte Systeme wie die Javelin, die einen Panzer überfliegen und die kaum geschützte Oberseite durchschlagen kann. Aber auf einfachere und zuverlässigere Systeme als die Javelin zerstören die Kampfpanzer. Insbesondere die Reaktiv-Panzerung, die den Gefechtskopf einer Antipanzerrakte absprengen soll, erfüllt nicht die Erwartungen.

Dazu kommt, dass alle gängigen Kampfpanzer als Duell-Panzer konzipiert sind und ihren besten Schutz an der Front besitzen. Im Ukraine-Krieg werden die Panzer nun aber von Jagdkommandos aus versteckten Stellungen angegriffen. Sie zielen auf schwächer gepanzerten Seiten und das Fahrwerk.

Dazu werden die Kampfpanzer von Drohnen aus der Luft attackiert. Die meisten Verluste gibt es aber durch gezielte Artillerieschläge. Scouts oder Drohnen klären die gegnerischen Fahrzeuge auf und kurz darauf nimmt die Artillerie sie unter Feuer. Ein weiterer Punkt ist der starke Einsatz von Anti-Panzerminen.

Neue Gegner für den Kampfpanzer

Gegen diese Gegner ist der T-72 vergleichsweise wehrlos. Es ist allerdings anzunehmen, dass andere Kampfpanzer ähnliche Probleme hätten. Vielleicht würde es nicht zu so spektakulären Explosionen kommen, doch ein seitlicher Treffer mit Durchschlag durch eine Panzerfaust 3 würde auch die Besatzung eines Leopard II wahrscheinlich töten. Abhilfe könnten nur Hard-Kill-Systeme bieten. Sie versuchen, eine anfliegende Rakete abzuschießen. Ein Allheilmittel sind sie nicht. Gegen Luftschläge, Artillerie und Minen können Hard-Kill-Systeme nichts ausrichten. Wird eine Panzerfaust auf kurze Entfernung eingesetzt, kommen sie an ihre Grenzen. Moderne Anti-Panzerwaffen schicken gleich zwei Geschosse auf die Reise. Das erste ist ein Dummy, der die Abwehr auf sich zieht, in dessen Schutz kommt das zweite dann ins Ziel.

Letztlich sind die hohen Verluste nur in zweiter Linie den konstruktiven Schwächen zuzuordnen, primär ist die falsche Einsatzdoktrin verantwortlich. Offen bleibt, ob es in einem Krieg wie in der Ukraine überhaupt eine erfolgversprechende Doktrin gibt. Kiew hat aus dem bicherigen Kriegsverlauf nicht die Lehre gezogen, dass Kampfpanzer generell obsolet sind. Das Land bemüht sich, möglichst viele Kampfpanzer geliefert zu bekommen.

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